Energiewende im Kleinen

Forum mit Vorträgen und Podiumsdiskussion zu „Visionen der Energieversorgung“ in Forst
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FORST Kann eine Stadt wie Forst und deren Einwohner einen Beitrag zur Energiewende leisten? Ein Wissenschaftler, ein Unternehmer und der Geschäftsführer der Stadtwerke wollen darüber mit Bürgern ins Gespräch kommen.

Fängt mit einer kleinen Elektrobatterie die energetische Zukunft in Forst an? Nein, aber ein Baustein für die Zukunft kann der Energiespeicher werden. Der Themenmonat Oktober im Rahmen des Forster Jubiläumsjahres beschäftigt sich mit dem Thema „Visionen für Forst – Aktiv in die Zukunft“. Bei einem Energieforum sollen mit Vorträgen und einer Podiumsdiskussion am heutigen Freitag die Herausforderungen bei der Energiewende vorgestellt und im Anschluss diskutiert werden.

„Die Lausitz kann die Energiewende natürlich nicht alleine stemmen, und eine Stadt wie Forst hat damit nicht viel zu tun“, stellt Referent Wolfgang Gallas klar. Der Honorarprofessor von der BTU Cottbus-Senftenberg unterrichtet im Bereich Elektroenergietechnik und elektrische Netze. Er sieht einen Knackpunkt der Energiewende in Speichermöglichkeiten von regenerativen Energien. „Mit dem weiteren Bau von Stromtrassen ist es nicht getan“, so der Experte.

Energieautarkes Gebäude

Über Erfahrungen mit der Speicherung von Sonnenenergie wird Friedhelm Widmann von dem gleichnamigen Energietechnik-Unternehmen berichten. Das Solarunternehmen aus Neuenstadt am Kocher (Baden-Württemberg) saniert in der Lausitz brachliegende LPG-Flächen und installiert dort anschließend Fotovoltaikanlagen. Auch in Forst betreibt das Unternehmen seit 2012 einen Park. Widmann wird aber vor allem über seine Erfahrungen mit Gebäuden sprechen, die energieautark sind, also nicht auf eine externe Stromversorgung angewiesen sind.

Ein solches energieautarkes Gebäude hat das Unternehmen am Hauptsitz in Baden-Württemberg gebaut und vor anderthalb Jahren bezogen. „Auf dem Dach gibt es eine Fotovoltaikanlage. Überschüssiger Strom wird in einer Batterie gespeichert. Außerdem setzen wir auf eine Wärmepumpe und eine Biogasanlage", erklärt Friedhelm Widmann. Bisher habe die Firma sehr gute Erfahrungen gesammelt. „Es gab bisher keine Sekunde einen Stromausfall, und unsere Mitarbeiter haben sich über den Umzug gefreut, da im Sommer nun die Räume gekühlt werden.“

Realistische Projekte

Das Arbeiten in einem Bauwerk, das sich vollkommen selbst mit Energie versorgen kann, ist für den Geschäftsführer der Stadtwerke Forst, Wolfgang Gäbler, noch Zukunftsmusik. „Wir gucken im Kleinen, was realisiert werden kann“, erklärt Gäbler. Der Stadtwerke-Chef setzt auf das Austesten verschiedener Möglichkeiten. So sei gerade erst eine Elektrobatterie am Gebäude der Stadtwerke in Betrieb gegangen, um Strom aus der Fotovoltaikanlage vom Dach des Gebäudes zu speichern.

„Außerdem setzen wir auf Fernwärme aus Biomethan oder ein Blockheizkraftwerk.“ Auch die Speicherung von Energie mittels Wasserstoff (Hydrolyse) habe man im Blick. „Dieses Projekt haben wir bereits geplant, allerdings fehlen uns da noch die nötigen Fördermittel“, ergänzt Gäbler. Neben langfristig erkennbaren politischen Rahmenbedingungen sei vor allem die Finanzierung der Energiewende eines der größten Probleme, sind sich die Experten einig. Denn bezahlbar müsse der Strom bleiben.

Lausitzer Rundschau vom 09. Oktober 2015, Ausgabe Forst, Autorin: Anne Nicolay-Guckland

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