Projekt Schaufelradkraftwerk soll zu Forschungszwecken weiter laufen

FORST Die Stadtwerke Forst wollen weiter am Ball bleiben bei den Minikraftwerken an langsam fließenden Flüssen. Denn sie könnten auch ein Vorteil sein auf dem überregionalen Markt, wo sich das Unternehmen bewegt. Seit April bieten die Stadtwerke Forst bundesweit Strom und Gas an.

Damit verlässt das einst kommunale Unternehmen kurz vor dem 25-jährigen Bestehen die Nische am geografischen Rand. Allerdings hatte das Unternehmen schon vorher Strom und Gas in ganz Ostdeutschland angeboten. Parallel ist es aber auch an mehreren Forschungsprojekten direkt oder indirekt beteiligt. Beispielsweise bei einem Versuch der Universität Erlangen, überschüssigen Strom in Flüssigkeit zwischenzuspeichern, um dessen Energie bei Bedarf wieder nutzen zu können. Aber auch bei der Energiegewinnung an langsam fließenden Gewässern wollen die Stadtwerke dran bleiben, wie Geschäftsführer Wolfgang Gäbler auf Nachfrage bekräftigte. Diese Woche wurde das Kleinkraftwerk am Forster Mühlgrabenwehr abgebaut, das vor drei Jahren dort installiert worden war.

Es soll auf jeden Fall einen Nachfolger des „River Rider“ geben, dieses doppelten Schaufelrades, das zwei Mal zwei Kilowattstunden Strom erzeugen sollte. Was tatsächlich rauskam? Dazu macht Gäbler keine Angaben. Die Erfahrungen würden in neue Projekte der Flussstrominitiative einfließen, hatte das Unternehmen am Dienstag den Erkenntnisgewinn als Erfolg genannt und dabei gleichzeitig offenbar bisherige Schwachstellen benannt: Kraftübertragung, Wechselrichter und Korrosionsschutz.

Drei vielversprechende Ansätze hätten sich in den vergangenen drei Jahren bei der Flussstrominitiative ergeben, so Stadtwerke-Geschäftsführer Gäbler. Beispielsweise bei der Kraftübertragung, die mit Induktionsverfahren eine Schwachstelle des „River Rider“ umgeht – die Lager. Die möglichen Nachfolgemodelle sollen eine ähnliche Zielleistung erbringen, wie das schwimmende Doppelschaufelrad – allerdings nur noch mit einem Rad. Mit dem brandenburgischen Landesamt für Umwelt führen die Stadtwerke Forst derzeit Gespräche, den Standort am Mühlgraben künftig für die Forschung statt bisher für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen.

Soviel scheint festzustehen. Ökonomisch könne sich ein solcher Kleingenerator vor allem angesichts der momentanen Öl- und Gaspreise und der gesetzlichen Abgaben auf Strom zurzeit allerdings nicht behaupten, räumt Gäbler ein. Aber für abgelegene Standorte, die nur mit einem hohen Aufwand erschlossen werden könnten, sei die Stromerzeugung auf langsam fließenden Gewässern möglicherweise eine Alternative. Auch über Ländergrenzen hinweg, verweist Gäbler auf die jetzt überregionalen Marktaktivitäten der Stadtwerke Forst.

Das Unternehmen gehört mehrheitlich der Gasag, hat aber das Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Konzerns, dass es als einziges Unternehmen im Konzern vier Produkte anbietet – Strom, Wasser, Gas und Fernwärme. Der Raum Forst reiche angesichts der demografischen Entwicklung allerdings nicht als Markt aus, um dauerhaft zu bestehen, begründet Gäbler den Schritt zum überregionalen Anbieter für Strom und Gas. Die Gasag hält knapp 75 Prozent der Anteile, die Stadt Forst eine entsprechende Sperrminorität.

Am 23. April feiert das Unternehmen von 10 bis 17 Uhr sein 25-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm.

14.04.2016, Lausitzer Rundschau, Jürgen Scholz

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